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Palmbüschel am Palmsonntag

so wie es in Stopfenheim der Brauch istAm Sonntag vor Ostern - Palmsonntag
Ehe das Hochamt beginnt, weiht der Pfarrer auf dem Platz vor dem Pfarrhaus die mitgebrachten Palmbüschel und -zweige. Zur Erinnerung an den Jubel, mit dem Jesus in Jerusalem empfangen wurde und als Symbol für den Frieden, den dieser König bringt, ziehen in einem feierlichen Prozessionsmarsch anschließend die Kinder, Männer der Kirchenverwaltung, Mitglieder des Pfarrgemeinde- und Stadtrates sowie des Kirchenchores vor dem Geistlichen und seinen Ministranten in das Gotteshaus ein.

Weil es bei uns keine echten Palm- oder Ölzweige gibt, werden sie durch „Palm“-Kätzchen (Weidenruten) ersetzt. Den Stamm des Palmbuschen bilden drei Boinroudn (Palmruten = Haselnussruten), an dem in Stopfenheim folgendes befestigt wird:

3 Boimkadzli  Palmkätzchen  Weidenruten 
3 Elsergerdn  Eisegerten   Traubenkirsche (prunus padus) 
Seglbaam  Sedelbaum   Sadebaum - Thuja 
Windergräi  Wintergrün   Immergrün(vinca minor) 
Nischled    Mistel 
Greizdean  Kreuzdorn  roter Kreuzdorn 
Drudnfous  Drudenfuß  Bärlapp 
Bux    Buchs 
Graaferd  Grafet  Wacholder 
oichis Laab    Eichenlaub 
Eefai    Efeu 
nach Franziska und Otto Koller (Kirchenkoller), Stopfenheim, 1994 

Nach der Weihe findet der Palmbüschel seinen Platz meist im Stall, um Unglück jedweder Art abzuwenden.
Manche Bauern unterscheiden:
Palmbüschel in den Kuhstall,
Kräuterbüschel (geweiht am Festtag Maria Himmelfahrt, 15. August ) in den Schweinestall.
Einzelne kleinere Weidenzweige aus dem Palmbuschen steckt man ans Kreuz des „Herrgottswinkels“.
Am Ostersonntag bekam früher jedes Rind ein Stück vom geweihten Brot, bestreut mit geweihtem Salz und dazu ein Blatt vom Palmbüschel zum Fressen. Auf diese Weise sollten die Tiere vor Krankheit verschont bleiben.
Wurde ein Stück Vieh aus dem Stall geführt (verkauft), gab ihm die Bäuerin ebenfalls ein Stück Brot mit geweihtem Salz, damit ihm geheimnisvolle Mächte (insbesondere die Druden) keinen Schaden zufügen konnten.
Mit großen Erwartungen brachte das Patenkind seinem dudla (Paten) den geweihten Buschen und war gespannt, welches Geschenk es von ihm dafür bekommen würde.